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Wünsdorf

Bücher und Broschüren

Geburts- und Entwicklungsgeschichte der deutschen Panzertruppen

Dem Leser wird die Garnison Wünsdorf als Geburts- und formationsgeschichtliche Entwicklungsstätte der einstigen Panzertruppen der Wehrmacht vorgestellt.

In den frühen Morgenstunden des 1.September 1939 rollten die gepanzerten Fahrzeuge von sieben deutschen Panzerdivisionen und mehreren selbständigen Panzerbrigaden über die Grenze nach Polen, um im engen Zusammenwirken mit der Luftwaffe den nachfolgenden Infanterieverbänden den Weg in die Tiefe des gegnerischen Territoriums zu bahnen.

Bis zu diesem Tag waren kaum 23 Jahre vergangen, als die ersten Tanks - fahrende Festungen - auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges erschienen und neue Möglichkeiten zur gewaltsamen Beendigung des jahrelangen Stellungskrieges eröffneten. In dieser Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hatten sich im internationalen Maßstab nicht nur die technischen Voraussetzungen für die Motorisierung der Armeen weiterentwickelt, namhafte britische und französische Militärtheoretiker hatten auch erste bemerkenswerte Grundsätze ihrer Nutzung in künftigen Kriegen begründet.

Darauf aufbauend hatte man in den zwanziger Jahren auch in Deutschland begonnen, die theoretischen und organisatorischen Grundlagen für den Aufbau einer modernen Panzerwaffe zu schaffen. Da der Versailler Vertrag Deutschland die Produktion, den Besitz und Einsatz von Kampfpanzern verbot, orientierten sich die Aktivitäten der Reichswehrführung anfangs auf das Ausland. In richtiger Einschätzung der im Hinblick auf die Panzerwaffe gleichgearteten sowjetischen Interessen gelang es schließlich, in Kasan - fast 750 km östlich von Moskau - dafür die erforderliche Basis aufzubauen.

Von 1926 bis 1933 wurden an der deutschen Panzerschule "Kama" in der Sowjetunion die technischen und organisatorischen Grundlagen für die dann in den Folgejahren ihr konkretes Stadium erreichende deutsche Panzerrüstung geschaffen. In Kasan wurden die ersten Prototypen der in geheimer Entwicklungsarbeit der Industrie entstandenen deutschen Kampfpanzer erprobt. Hier wurden die Offiziere ausgebildet, die nach ihrer Rückkehr nach Deutschland der Reichswehrführung als Panzerexperten und Lehrer zur Verfügung standen. Und nicht zuletzt wurden hier auch die von den deutschen Panzertheoretikern - Lutz, Guderian, Radlmaier, Harpe u.a. - erarbeiteten Einsatzgrundsätze in der Praxis erprobt. Erst die sich verschlechternden außenpolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion brachten 1933 das Ende der von beiden Seiten als äußerst wertvoll eingeschätzten Zusammenarbeit und die Verlagerung der weiteren Entwicklung nach Deutschland. Ohne Kasan wäre die 1933 in Zossen-Wünsdorf ihren Fortgang nehmende Arbeit zum Aufbau deutscher Panzertruppen nicht möglich gewesen.

Dieser Vorkriegsabschnitt in ihrer Entwicklung wird in den einschlägigen Publikationen über die deutschen Panzertruppen, insbesondere auch in den Truppengeschichten der einzelnen Verbände, meistens nur kurz und überblicksartig abgehandelt. Das ist nicht verwunderlich, da besonders die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg - bedingt durch die anfängliche Verwendung vielfältigster Tarnbezeichnungen und die nachfolgenden zahlreichen Zellteilungen der Verbände - selbst für Militärhistoriker nicht einfach zu durchschauen sind. Deshalb geht dieser Titel der "Militärgeschichtlichen Blätter" insbesondere auf diese wichtige Entwicklungsetappe der deutschen Panzertruppen im Detail ein.

Ausgehend von den Anfängen in der Sowjetunion dokumentiert der Autor die Mitte der zwanziger Jahre einsetzende Entwicklung zur Motorisierung und Wiederaufstellung gepanzerter Truppen des deutschen Heeres unter besonderer Berücksichtigung der Militärstandorte Zossen-Wünsdorf. Hier entstand 1933 das "Kraftfahr-Lehrkommando Zossen" als geheime Keimzelle der deutschen Panzertruppen. Daraus entwickelte sich schon wenig später das Kampfwagen-Regiment Nr.1, der Vorläufer des Panzer-Regiments 5. Die Heeresleitung bzw. das Oberkommando des Heeres hatte in Wünsdorf auch die Panzertruppenschule, das organisatorische und geistige Zentrum der neuen Waffengattung angesiedelt. Mit Hilfe der ihr zugeordneten Panzer-Lehrtruppen wurden hier die theoretischen und praktischen Voraussetzungen für den Kriegseinsatz aller neu entwickelten gepanzerten Waffensysteme geschaffen.

Damit erlangte Zossen-Wünsdorf schon vor dem Kriege das militärhistorische Privileg, als Geburtsstätte der deutschen Panzertruppen bezeichnet zu werden.

Und die nachfolgenden Kriegsjahre berechtigen zur Erweiterung dieser Bezeichnung um den Zusatz Entwicklungsstätte. Schließlich wurden hier die operativen und ausbildungsmäßigen Voraussetzungen für den Einsatz der immer größer, schwerer und wirkungsvoller werdenden Kampfpanzer und der damit im Zusammenhang stehenden Panzerabwehrsysteme geschaffen. Erst der Kriegsverlauf zwang die Heeresführung 1943 schließlich zur Verlegung der Wünsdorfer Panzertruppen.

Durch ein umfangreiches und langjähriges Quellenstudium, die Auswertung zahlreicher Zeitzeugenberichte, das akribische Sammeln und Zusammentragen vieler Informationsfragmente und die ständige Gegenüberstellung und den wissenschaftlichen Vergleich derselben ist es dem Autor gelungen, die Breite und Vielfalt der sich von 1933 bis 1943 in Zossen-Wünsdorf vollziehenden formationsgeschichtlichen Entwicklungsprozesse der Panzertruppen transparent zu machen. Dabei werden aber auch noch zahlreiche Erkenntnislücken sichtbar, die nur durch weitere militärhistorische Forschungen geschlossen werden können.

In ihrer Gesamtheit ist die vorliegende Ausarbeitung eine wesentliche Bereicherung der Geschichtsdarstellungen über Zossen-Wünsdorf als eine der bedeutendsten Panzergarnisonen der Wehrmacht. Für den interessierten Leser zeichnet das Heft ein anschauliches Bild der damaligen Vorgänge und Ereignisse. Und dem Militärhistoriker werden verbindliche und wissenschaftlich gesicherte Informationen über einen wichtigen Teil der Formationsgeschichte der deutschen Panzertruppen zur Verfügung gestellt. Insofern ist das Heft eine wertvolle Ergänzung der auf diesem Gebiet bisher erschienenen wissenschaftlichen Publikationen.

Autor: Hans Georg Kampe
ISBN: 978-3-932566-19-6
17x24 cm, Br., 80 Seiten
Preis: 9,10 €


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