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Deckname Zeppelin

Bücher und Broschüren

Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen

"Z" = "Zeppelin" - wie das Kürzel für den ersten Buchstaben des Städtchens Zossen - so lautete der militärische Deckname für den Standort des Hauptquartiers der deutschen Heeresführung im Zweiten Weltkrieg. In langjähriger und planmäßiger, von der Außenwelt streng abgeschirmter Arbeit, hatte man im Stammlager Zossen, der einstigen Manöverunterkunft der kaiserlichen Garde, die kriegsmäßige Unterbringung des Generalstabes des Heeres vorbereitet.

Seit 1933/34 spielte Zossen in den Mobilmachungs- und Aufmarschplänen der deutschen Militärs eine dominierende Rolle. Hier entstand in den Vorkriegsjahren ein großes Fernmeldezentrum, das den organisatorischen und technischen Mittelpunkt eines ganz Deutschland umspannenden Fernmeldenetzes bildete. Vorbereitet für den "Ernstfall", sollte es dem Generalstab des Heeres unbeschränkte Möglichkeiten zur Führung der mobilzumachenden Armeen und Heeresverbände sichern. Dabei mußten aber auch die immer vernichtender werdenden Waffenwirkungen, insbesondere aus der Luft, Berücksichtigung finden. Während man in den ersten Jahren noch die vorhandene Bausubstanz nutzte, ging man später unter die Erde.

1937 begann im Stammlager Zossen der Bau gewaltiger Bunkeranlagen. Das Fernmeldezentrum, dessen Deckname "Zeppelin" letztlich auf das ganze Hauptquartier überging, war nun fast 20 Meter unter der Erdoberfläche gelegen und gegen jede Waffenwirkung geschützt.

Auf einer Parallelbaustelle, nur wenige hundert Meter vom Nachrichtenbunker entfernt, wuchsen 12 Bunkerhäuser der sogenannten "Siedlung Maybach I" in die bzw. aus der Erde. In zwei Stockwerken über und zwei Etagen unter der Erde sollten hier im Kriegsfall - von meterdicken Betonwänden geschützt - die Offiziere des Generalstabes arbeiten. Auch diese Bunkerhäuser gewährleisteten einen sicheren Schutz gegenüber allen damals denk- und verfügbaren Waffen, denn sie waren gasdicht und durch begehbare unterirdische Stollen miteinander verbunden. Eine zweite Bunkersiedlung dieser Art - "Maybach II"- entstand nach Ausbruch des Krieges und war im Frühsommer 1940 bezugsfertig.

In den letzten Augusttagen des Jahres 1939 ging der Nachrichtenbunker "Zeppelin" in Betrieb und die gerade fertiggestellten Bauten von "Maybach I " wurden von den Bauarbeitern für die nun einziehenden Nutzer aus dem Berliner Bendlerblock geräumt. So wie geplant, fanden die Kommandobehörden bei ihrem Eintreffen in Zossen am 26.August 1939 voll funktionsfähige Fernmeldeverbindungen vor.

Der von Hitler provozierte Waffengang konnte beginnen. Ungeachtet des zeitweiligen Aufenthaltes in anderen Feldquartieren, blieb Zossen für die Heeresführung während des ganzen Krieges eigentlich immer sowohl geistiger als auch organisatorisch-technischer Mittelpunkt der Kriegführung. Hier entstanden die vom Oberkommando der Wehrmacht initiierten Angriffsplanungen des Heeres gegen Belgien, Holland und Frankreich. Hier plante und bereitete man den Angriff auf die Sowjetunion vor. Von hier wurden mit Hilfe eines inzwischen die Grenzen Deutschlands weit hinter sich lassenden Fernmeldenetzes die Armeen geführt, die auf Befehl Hitlers in dem schrecklichsten aller bisherigen Kriege weite Teile Europas okkupierten und verwüsteten.

Und als der Krieg 1945 an seinen Ausgangspunkt zurückkehrte, hatten sich in Zossen-Wünsdorf und Umgebung unzählige Stäbe und Dienststellen der geschlagenen deutschen Wehrmacht in sogenannten Ausweichquartieren versammelt, um hier auf das nicht mehr aufzuhaltende Ende zu warten.

Dieser vorliegende Titel der "Militärgeschichtlichen Blätter" schildert in chronologischer Abfolge und anschaulicher Weise die Entscheidungsfindung zum planmäßigen Ausbau des Stammlagers Zossen als Hauptquartier der Heeresführung im allgemeinen und die Vorgeschichte der Entstehung der Zossener Bunkeranlagen im besonderen.

Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Baugeschichte des Nachrichtenbunkers "Zeppelin" und die Mitwirkung der Deutschen Reichspost, die der Autor nach gründlicher und systematischer Auswertung einschlägiger Quellen fast lückenlos belegt. Weniger ergiebig erwies sich bislang die Quellenlage zur Entstehung der Bunkersiedlungen "Maybach I und II". Die bisherigen Erkenntnisse und der Vergleich mit identischen Bunkerbauten in Gießen - von dort sollte die Landungsoperation gegen Großbritannien geführt werden - ermöglichten es dem Autor aber, auch für diesen Teil der Zossener Bunker ein eindeutiges Bild zu zeichnen.

Der Autor setzt sich auch mit der immer wieder gestellten Frage auseinander, warum der riesige Bunkerkomplex "Zeppelin" nach Kriegsende von den sowjetischen Besatzungstruppen nicht gesprengt wurde. So erhielt der Bunker Anfang der sechziger Jahre eine neue Zweckbestimmung als kernwaffengeschützte Kommandozentrale des in Wünsdorf stationierten "Oberkommandos der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD)".

Autor: Hans Georg Kampe
ISBN: 978-3-932566-17-2
17x24 cm, Br., 80 Seiten
Preis: 9,10 €


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