Projekt+Verlag Dr. Erwin Meißler

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Deckname Hansa

Bücher und Broschüren

Die Bunker im geplanten Hauptquartier des OKH in Gießen

Die Antwort eines Gießener Buchhändlers auf die Frage nach einer Publikation zur Garnisonsgeschichte der Stadt lautete: Diese muß noch geschrieben werden. Und nun ist diese Geschichte -vorerst einmal für einen weitestgehend unbekannten Teilbereich- noch rechtzeitig zum 750-jährigen Stadtjubiläum erschienen.

Geboten wird eine höchst interessante Dokumentation über die militärhistorischen Ereignisse und Zusammenhänge, die Gießen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in das Blickfeld der deutschen Heeres- und Wehrmachtführung rückten und die stadtgeschichtliche Entwicklung in erheblichem Maße mitbestimmt haben.

Wer hat schon gewußt, daß 1940 für den Krieg im Westen das Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres in Gießen stationiert werden sollte? Während für Hitler im Raum Ziegenberg der "Adlerhorst" als Führerhauptquartier errichtet wurde, wollte der Oberbefehlshaber des Heeres und sein Generalstab die Operationen gegen Holland, Belgien und Frankreich, das Unternehmen "Gelb", von Gießen aus führen.

Wer hat bisher von der Absicht Hitlers gewußt, bei der geplanten Landung in Großbritannien, dem Unternehmen "Seelöwe", das Oberkommando des Heeres gemeinsam mit der Seekriegsleitung der Kriegsmarine in Gießen unterzubringen?

Und wer hat schon gewußt dass die in den Rivers-Barracks an der Licher Straße heute noch zu besichtigenden Bunker gerade für diesen geplanten Bestimmungszweck errichtet wurden?

Dieses Wissen wird jetzt vermittelt.

Im Mittelpunkt der gut recherchierten und wissenschaftlich belegten Ausarbeitung stehen die Geschehnisse, die Gießen und sein Umfeld 1939/40 zu einem bedeutenden Faktor in den Kriegsplanungen Hitlers und des Oberkommandos des Heeres werden ließen. Letztendlich ist es nur dem wechselvollen Lauf der Geschichte zuzuschreiben, daß diese Planungen nicht zur Realität wurden. Ihre Grundlagen aber reichten weit in die Geschichte zurück und hatten ihren Ursprung in der Entwicklung Gießens zu einer bedeutenden Militärgarnison. Insbesondere waren es die militärgeographische Lage und andere günstige Bedingungen, die im Herbst 1939 die Aufmerksamkeit führender Offiziere des Oberkommandos des Heeres auf die hessische Garnison lenkten.

Folgerichtig wird deshalb die Publikation mit einem zusammenfassenden Überblick über die heeresgeschichtliche Komponente dieser Entwicklung eingeleitet, ohne damit die fehlende Garnisonsgeschichte Gießens ersetzen zu wollen.

Ausgehend von den um 1527 beginnenden Ausbau der Stadt zu einer bedeutenden Festung, über die Einquartierung erster Kompanien des stehenden Heeres Ende des 17.Jahrhunderts bis hin zur Errichtung der Gießener Kasernen am Brandplatz und auf dem Trieb, gibt die Ausarbeitung einen interessanten Einblick in die Geschichte der Garnison.

Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Siegesgewiß hatte die Stadt im August 1914 ihre ins Feld ziehenden Truppenteile verabschiedet. Vier Jahre später im Dezember 1918, kehrten sie in ihre Garnison zurück, um hier demobilisiert zu werden. Viele der Männer von 1914 waren nicht mehr dabei.

Aber nicht lange dauerte es, da wurde Gießen erneut ein wichtiger Faktor der Wiederaufrüstung. Letztendlich waren neue Kasernen auch in Gießen die Voraussetzung für die Mitte der dreißiger Jahre im Rahmen der Heereserweiterung vorgesehene Truppenstationierung. Und wieder beendete ein Krieg, diesmal der Zweite Weltkrieg, diese Entwicklung. Damit begann ein unseliger Zeitabschnitt, der fünf Jahre später für die Stadt Gießen im Inferno des Bombenkrieges enden sollte.

Den Schwerpunkt der vorliegenden Ausarbeitung aber bilden die Geschehnisse, die sich um die Planungen der Heeres- und Wehrmachtführung in und um Gießen ranken. Obwohl aus dieser Zeit wenig oder gar keine Belege erhalten geblieben sind, ist es den Autoren durch akribisches Auswerten verfügbarer Informationsfragmente, insbesondere aus dem Bereich der fernmeldetechnischen Sicherstellung der damaligen Führung und durch die Erschließung von Teilen der erhalten gebliebenen Bausubstanz gelungen, ein interessantes Bild der militärhistorischen Geschehnisse zu zeichnen. Vielleicht können Erinnerungen von Zeitzeugen diesem Bild weitere Aspekte hinzufügen.


Autoren: Michael Grether, Hans Georg Kampe
ISBN: 978-3-932566-51-6
17x24 cm, Br., 80 Seiten
Preis: 9,10 €


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